Brandenburg ist das Kentucky Deutschlands
Dezember 2002
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Editorial: "JDJL"...
... stand auf dem Klingelschild in der Dorfstraße 3 in der Güstebieser Loose. Stolz, meinen Arbeitsauftrag pünktlich und auch noch außerordentlich gut erfüllt zu haben, drückte ich zweimal kurz hintereinander auf den Klingelknopf, blickte starr geradeaus auf die Tür, oder besser gesagt auf die gilbigen Gardinen hinter einem anscheinend für Brandenburger Käffer typischen Milchglasfenster, das in die ockerfarbenen Holzbretter der Tür eingelassen war, und wartete.
Nach einer Minute schaute ich mir den Vorgarten des Hauses an. Ein bißchen liederlich, Unkraut zwischen den gerade in gelb und lila knospenden Krokussen... endlich, die Türe öffnete sich. 'Editorial gefälligst?' fragte ich, einerseits erstaunt darüber, dass eine kleine fette faltige Großmutter vor mir stand, mit einer in den Krokusfarben gemusterten Schürze um die speckigen Hüften, weißem Strupphaar und dicken Brillengläsern vor den Augen, andererseits immer noch mit einem selbstsicheren Lächeln auf den Lippen beim Denken an den tollen Text, den ich verfasst hatte. Sie kniff die Augen zusammen, entweder weil sie von der Sonne geblendet wurde oder sie mich einfach trotz der Brille nicht sehen konnte, blickte mit schrägem Kopf zu mir hoch und krächzte mit schauderhaft alter Stimme: 'Edith Orial? Einen Moment. Eeeeeeeeeeeedith!'.
Es bestieg mich das Gefühl irgendwie falsch zu sein. Nicht nur, dass ich es seltsam fand, dass die Geschäftsstelle der JungdemokratInnen/Junge Linke gerade in der Güstebieser Losse liegt, das Dorf mit der wahrscheinlich schlechtesten Verkehrsanbindung in ganz Deutschland, und mir dort auch noch ein dicke ranzige Frau die Tür öffnete, nein, jetzt nahm sie nichtmal meinen Text entgegen, sondern schrie die erste Silbe der Überschrift durch das ganze Haus! Was hatte denn das nur zu bedeuten? Als ich gerade nachfragen wollte hörte ich ein poltriges Stampfen vom Obergeschoss. Es klang, als würde eine große Elefantenkuh mit voller Blase auf die Treppe hinunter zum Klo im Erdgeschoss zustürzen. Einige Momente später stand schwitzend und hechelnd eine völlig verheulte Frau vor mir, die verständnislos fragte: 'Was wollen Sie denn? Ich bin gerade mitten in der Sitzung.'
Da wurde mir die Verwechslung bewußt. Ich war gar nicht bei JungdemokratInnen/Junge Linke, sondern bei "Judenhassende Deutschlandstolze Jungfrauen Leiden"...
Nicht nur ein Grund mehr, die Bekanntheit unseres Verband (vor allem auf dem Land) weiter voranzutreiben um solche Malheure zu vermeiden, sondern auch ein Grund mehr mal Seminare zu Antisemitismus und auch Sexualität in diesem Jahr zu machen, dachte ich mir, und war nach 9mal umsteigen und insgesamt 14 Stunden Fahrt wieder zu Hause...
PS: Edith Orial wollte sich übrigens zum Sexualitäts-Seminar anmelden, doch AntisemitInnen und Deutschlandstolze dürfen nicht an unsereren Seminaren teilnehmen. Daraufhin schlug sie mich. Noch ein Grund mehr, mal ein Seminar zu Antifaschistischen Gegenstrategien zu machen und bei diesem Anlass die Militanz-Frage zu diskutieren, dachte ich mir...
Rona Torenz
Es gibt nicht nur Männer
Immer dieses "Innen".
Sie ist uns wohl allen schon einmal begegnet, die Schreibweise SchülerInnen, anstatt Schüler und Schülerinnen oder Schüler(innen).
Manch eineR mag sich fragen was das denn soll. Und grade wenn sie Leuten das erste mal im Sprachgebrauch begegnet, führt das zu dem Missverständnis es wäre Schülerinnen gesagt worden.
SchülerInnen (oder ArbeiterIn oder sonst was..) ist eine Schreibweise, die verschiedene Aspekte berücksichtigt.
Es ist eine Zusammensetzung von Schülerinnen und Schüler. Sie hat den Vorteil das nicht beides gesagt werden muss, denn das dauert einfach länger und würde beispielsweise bei einem Redebeitrag irgendwann anstrengend. Zum anderen schließt sie müßige Diskussionen darüber aus, welches von beiden denn nun zuerst genannt werden soll.
"Dann könnte ja einfach Schüler(innen) geschrieben werden." könnten einige dann entgegnen. Ich finde, dass eine Schreibweise in der Frauen lediglich in Klammern mitgenannt werden abzulehnen ist, denn in Klammern stehen nur Ergänzungen.
Dass unsere Gesellschaft von Männern dominiert ist findet sich auch in Sprache wieder. Von vielen wird es dennoch als überflüssig empfunden eine solch Schreib- und Sprachregelung einzuführen, es sei doch klar das die Frauen mitgemeint seien. Es ist jedoch nicht tragbar ca. 50% der Menschheit lediglich mitzumeinen.
Die Tatsache, dass viele Männer sich dagegen sträuben als Schülerinnen bezeichnet zu werden und dies mit Sprüchen wie: "Ich bin doch kein Mädchen!" kommentieren, drückt deutlich aus das patriarchale Strukturen auch in Sprache verhaftet sind.
Ich möchte an dieser Stelle noch kurz auf den Begriff der Gleichberechtigung eingehen, um daran deutlich zu machen, welche Rolle Frauen gesellschaftlich zugeschrieben wird. Daraus ergibt sich, weshalb "Ich bin doch kein Mädchen!" abwertend zu verstehen ist.
In unserer Gesellschaft wird scheinbar ein Gleichberechtigung für Männer und Frauen angestrebt. Dabei geht es in der Praxis jedoch nicht darum, beide gleichberechtigt nebeneinander zustellen, sondern die Frauen an den männlichen Standart anzugleichen. Sei es nun im Beruf oder wo sonst auch immer Männer Frauen gegenüber bevorteilt sind.
In unserer Gesellschaft sind die Eigenschaften die Frauen zugeschrieben werden längst nicht so hoch angesehen wie die zur Männlichkeit gehörigen. Die Tatsache, dass es mittlerweile durchaus Frauen in der Politik und anderen Führungspositionen gibt, wird oftmals als Aushängeschild dafür gebraucht, dass wir doch alle schon so emanzipiert wären. Und das Frauen jetzt Kinder und Karriere haben können, wird von vielen Frauenzeitschriften und in Parteienwerbung als Erfolg gefeiert. Und das Kinder zu erziehen ziemlich anstrengend ist, wird schlichtweg nicht anerkannt. Dabei wird ebenfalls ausgeblendet, dass immer noch viele Frauen bei der Arbeitssuche Männern gegenüber benachteiligt sind, weil Arbeitgeber bei gleicher Qualifikation doch lieber Männer einstellen.
Was ich nun anhand dieses Beispiels zeigen wollte, ist, dass sich nach wie vor Männer in ihrer Männlichkeit beleidigt fühlen, wenn sie mit weiblichen Eigenschaften charakterisiert und damit einhergehend eben auch, wenn sie mit weiblichen Formen angesprochen werden.
Wie viele Männer würden sich angesprochen fühlen , wenn mal nur Schülerinnen oder Maurerinnen verwendet werden würde? Ich glaube viele würden sich dabei benachteiligt fühlen, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass Frauen sich immer lediglich indirekt angesprochen fühlen sollen.Ich möchte hierbei nicht vergessen, dass von vielen Frauen die Verhältnisse ganz anders wahrgenommen werden. Viele meinen von sich "Ich bin doch schon gleichberechtigt" und
"Ich weiß doch das ich mitgemeint bin".
Es scheint sogar, als sei vielen Frauen eine größere Aufmerksamkeit unangenehm, eben weil sie so ungewohnt und nicht gekannt ist, dass sie als zuviel empfunden wird.
Deshalb will ich noch einmal betonen, dass die Schreibweise des großen I's eine Maßnahme gegen die Unsichtbarmachung von Frauen innerhalb unserer patriarchal strukturierten Gesellschaft sein soll.
Diese Unsichtbarmachung findet überall statt. Frauenspezifische Themen finden beispielsweise in der Politik keinen Platz.
Frauenspezifische Themen werden in Frauenzeitschriften verlagert, in denen ein patriarchales Bild von ihnen reproduziert wird; Frauen werden vielerorts nach wie vor durch Küche, Heim, Kinder definiert. Das Frauen jetzt auch im Arbeitsmarkt integriert sind löst meiner Meinung nach diese Definition nicht auf.
Die Frauenbewegung hat ihrerzeit vieles geschafft, doch wir können heute nicht stehen bleiben. Frauen sprachlich sichtbar zu machen ist ein erster Schritt in diese Richtung, die von überall her gemacht werden müssen.
Zum Abschluss möchte ich noch auf ein Gegenargument eingehen, dass meinen gerade gezogenen Schluss wiederlegen möchte und mir sehr häufig begegnet. Das Binnen-I zu benutzen sei den zweiten Schritt vorm Ersten zu machen. In einer Gesellschaft in der Frauen und Männer noch nicht gleichberechtigt sind, eine solche Schreib- und Sprechweise zu benutzen, würde suggerieren, dass sie schon gleichberechtigt seien . Dadurch würde sie zu einer hohlen Phrase, weil diese Aussage nicht der Realität entspricht und würde sich deshalb selbst im Weg stehen .Es gäbe wichtigere Dinge über die wir uns Gedanken machen sollten. Doch sich mit der Sprachproblematik zu beschäftigen ist ein Weg überhaupt erst ein Bewusstsein für die vermännlichte Sprache zu schaffen und durch das große 'I' als Anfügung zum Ausdruck zubringen, das es auch Frauen gibt.
Sie werden explizit benannt und verschwinden nicht hinter dem "mitgemeint-sein". Diese Schreibweise ist ein Stolperstein in unserem sonstigen Sprachgebrauch und Sprache ist ein Medium das alle erreicht, es macht Kritik deutlich die wir an patriarchal geprägter Gesellschaft und ihrer Sprache haben.
Sich gegen das Patriarchat stellen zu wollen fängt schon in kleinen Schritten an. Die Emanzipation kommt nicht von allein und das große 'I' suggeriert meiner Meinung nach nicht, dass die Verhältnisse in denen wir Leben plötzlich ganz toll sind.
Emanzipation kann nur durch einen reflektiven Prozess stattfinden, und der muss irgendwo beginnen.
Wir können uns nicht einfach hinsetzen und warten, sie alles so ist wir es gerne hätten und dann die Sprache passend dazu verändern. Das Patriarchat steckt in allem, deshalb muss überall angefangen werden, dieses abzubauen und ihm das Fundament zu rauben.
Nelo Locke
Vorstellung der Basisgruppe Bad Freienwalde
Wie wohl jede BG der JD/JL versuchen auch wir gegen -in und um Bad Freienwalde auftretende - rechte Ideen und Vorurteile, die auf dem besten Weg sind, gesellschaftsfähig zu werden, vorzugehen. Eine zentrale Rolle spielt dabei immer mal wieder das Jugendzentrum "Offi". Um eben dieses drehte sich vor einiger Zeit ein von uns stammender Flyer, den wir dann auf der Stadtfeier von FRW auch fleißig verteilten.Hierbei sollten nicht nur die Jugendlichen, sondern auch (oder vor allem) deren Eltern(-generation) auf folgendes Problem angesprochen bzw. erstmal drauf aufmerksam gemacht werden: (rechte) Übergriffe auf Linke vorm Offi. Kann ja schließlich nich sein, dass denen, also den Linken, lediglich gesagt wird, sie sollten sich von dort fernhalten, um mögliche Folgen zu vermeiden! Etwas später jedoch hatten wir das Glück, einen von mehreren im Offi befindlichen Räumen, welche kürzlich der Bad Freienwalder Alternative (kurz BFA) übergeben wurden, für einen Info- und Diskussionsabend zum Thema Homosexualität nutzen zu dürfen. Diese Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit Andersartig e.V. statt, wurde allerdings nicht besonders gut besucht... Danach, im Moment und in naher Zukunft konzentrieren wir uns darauf, mit der BFA eine gemeinsame Zeitung zusammenzuschreiben. Die soll dann im nächsten Jahr rauskommen und auf allerlei linke und lokalbezogene Dinge hinweisen. So im Frühling is es dann auch soweit- man darf also gespannt sein!
von amie und sweta
Brandenburg ist eine Dorfstrasse oder...
...Wozu gibt es Zehdenick? Sommertour 2002, 21.-28. August in 6 verschiedenen Städten
Tourismus hat immer einen unangenehmen Beigeschmack. Die Konstruktion des anderen, des Exoten den der Tourist braucht. Auch der linke Demotourismus von z.B. der Hauptstadt in die brandenburgische wurde bisher oft und oft auch zu recht kritisiert.
Trotz alledem gab es in diesem Jahr, wie auch im letzten eine Veranstaltungstour der Brandenburger JungdemokratInnen/Junge Linke die nicht zuletzt in Gegenden vordrang, die noch nie zuvor ein Radikaldemokrat betreten hat.
Naja, um es kurz zu machen, wir ' die Veranstaltungstouristen haben in Werder, Falkensee, Jüterbog, Luckenwalde, Fürstenwalde, Eberswalde und Zehdenick Veranstaltungen zu Themen wie: Sicherheitswahn und Überwachungsstaat, akzeptierender Jugendarbeit, Sexualität und Illegalisierung durchgeführt. Mit ungefähr 4 bis 5 Leute, an manchen Tagen gab es auch Besuch von anderen Leuten aus dem Verband, sind wir also durch Brandenburg gefahren um morgens vor Schulen Flyer und Zeitungen zu verteilen und am Abend Veranstaltungen zu machen.
Waren die erstem beiden Stationen Werder und Falkensee eher niederschmetternd ,gab es mit Jüterbog und Fürstenwalde eigentlich zwei sehr gute Veranstaltungen. Bei der Sicherheitswahnveranstaltung mit dem schönen Titel 'Film mir ins Arschloch, baby!' in Werder war lediglich eine Gruppe etwas gelangweilter Jugendlicher aus dem örtlichen Jugendclub mit denen wir uns jenseits des Themas irgendwann über die von Ihnen wiedergegebenen Stereotype über AsylbewerberInnen und SozialhilfeempfängerInnen diskutierten. Die Sozialarbeiterin des Clubs, die ebenfalls mit herumsaß, erzählte uns dann noch etwas über ihre Vorstellung, wie man mit Nazis umzugehen hätte. Das war denn erwartungsgemäß vor allem: Verständnis, viel Zuhören und ihnen bei ihren Problemen helfen. Nicht ungewöhnlich für Brandenburg, vielleicht, allerdings ist es ziemlich niederschmetternd, all die schlechten und längst wiederlegten Argumente für sog. Akzeptierende Jugendarbeit in Reinfrom reingedrückt zu bekommen. Auch in Falkensee war da die Anwesenheit von Publikum eher eingeschränkt und alles eher unspannend.
In Jüterbog beschien mehr Sonne unseren Weg (oder so), die Veranstaltung zu Sexualität und sexueller Normierung ('I wanna define your sexlaws!') war verhältnismäßig gut besucht, die Diskussion war erstaunlich konstruktiv und wir waren erstaunt wie reflektiert und schlau so unheimlich junge Menschen in so reizarmen Gegenden sein können.
Eine ebenfalls sehr gut besuchte Veranstaltung fand in Fürstenwalde im 'Club im Park' statt. Auch wenn der Club nicht in erster Linie ein politisches Projekt ist, gibt es dort eine ganze Reihe alternativer Kulturveranstaltungen. Die Leute dort waren sehr nett, allerdings mussten wir ein bisschen erstaunt feststellen wie wenig über Illegalisierte eigentlich auch in der Linken bekannt ist. Es kann manchmal auch spannend sein, sich aus seinen jungdemokratischen Diskussionszirkeln hinauszubegeben.
Eberswalde war ebenfalls recht nett, die Leute die sich im Exil/Eisenspalterei einfanden, waren recht gut informiert, weshalb es eher eine entspannte Diskussion und ein Erfahrungsaustausch mit den Leuten aus Eberswalde war.
Zehdenick (bekannt aus dem Film 'Zehdenick ' schöne Stadt mit Nazis'), war für alle Beteiligten dann wieder gruselig. An den Schulen in Zehdenick wurden wir beim Flyerverteilen ziemlich sonderbar beäugt und schließlich vom Schulhof verbannt. Wir haben dann im nächsten Ort, in Zepernick noch ein paar Flyer verteilt ' hier war es dann auch schon angenehmer. Es gab eine ganze Reihe linker Jugendlicher, die recht interessiert an der Veranstaltung waren. Die Veranstaltung in einem recht gruseligen Jugendclub (Sozialarbeiter mir Bodybuilderkörper und Böhse Onkelz Shirt findet vermutlich nicht nur der Autor dieser Zeilen verdächtig)...
Will man nun ein Fazit ziehen ' war die Sommertour trotz allen Widrigkeiten derer man so angesichtig wird, erfolgreich. Wir haben eine ganze Menge neuer Kontakte geknüpft, einige Leute von den Veranstaltungen haben wir dann 2 Monate später auch auf dem Spektakel wiedergetroffen. Für die Leute, die bei den Veranstaltungen waren, war es teilweise eine Möglichkeit mit Leuten über Dinge zu diskutieren, die normalerweise nicht in der Debatte ihrer Umgebung sind.
Auch wenn im letzten Jahr die Veranstaltungen der Tour weitaus besser besucht waren, so liegt dies nicht an der grundsätzlichen Ausrichtung der Tour. Es gibt sicher Dinge die man beider nächsten Tour besser machen könnte, (z.B. nicht in einer Zeit fahren, in der es auch noch am frühen Abend so heiß ist, dass man eigentlich viel lieber am Strand rumliegen mag, als mit netten Menschen über Politik zu diskutieren) allerdings find ich solche Veranstaltungstouren ein gutes Mittel andere Linke im ländlichen Raum anzusprechen und gleichzeitig auch für uns eine sinnvolle Möglichkeit einen Überblick über linke Strukturen bzw. grundsätzlich die politische Situation in anderen Teilen Brandenburgs zu bekommen.
Also ' für den Tourismus! Radikal reisen, durch Brandenburg!
Der Spektakelbericht ist mehr als 11 Zeichen wert...
Radikaldemokratisches Spektakel 2002 - 01.-03.November in Frankfurt/Oder
Unter dem Titel "Deutschland ist uns keine 11 Zeichen wert!" fand in diesem Jahr vom 01.-03.11. unser Spektakel in Frankfurt/Oder statt.
Bisher war das Spektakel eine gemeinsame Veranstaltung mit den BerlinerInnen. Da wir uns dieses Jahr nicht auf einen inhaltlichen Schwerpunkt einigen konnten, haben die BrandenburgerInnen beschlossen das Spektakel alleine zu machen.Wie oooch immer - es war ziemlich geil. Insgesamt kamen ca. 80 Leute - zu Partyzwecken gab es am Freitag Abend 'Born in the USSR - Karaoke gegen Deutschland', am Samstag traten dann "Kommando Victor Zoi" - eine Potsdamer Band, die sich der rockistischen Interpretation des Liedgutes, des unter mysteriösen Umständen verstorbenen russischen Pop - Musikers Victor Zoi verschrieben hat. Neben derlei Party- und Unterhaltungsprogramm gab es, wie sollte es anders sein - allerlei politische Veranstaltungen.
Der Freitag Abend begann mit einer Podiumsdiskussion mit dem Titel: 'Deutschland - wiedergutgemacht' mit der Journalistin Heike Kleffner, Lutz Böde von der Kampagne gegen Wehrpflicht und Herrn Samba von der Flüchtlingsinitiative Brandenburg. Diskutiert wurde, wie durch staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure das rassistische Klima, welches in Deutschland herrscht aufgebaut wird. Neben der Frage, welche Rolle z.B. die rassistische Sonderbehandlung von Nichtdeutschen und insbesondere AsylbewerberInnen spielt wurden unter anderem auch die Verstrickung von offizieller Politik in reaktionäre Geschichtsdiskurse - beispielhaft an der Diskussion um die sogenannten preußischen Tugenden. Heike Kleffner berichtete über die Vorbereitungen der Nazis für das 'Heldengedenken' in Halbe und über die Beteiligung des brandenburgischen Verfassungsschutzes an Übergriffen und der Unterstützung von Strukturen der organisierten Naziszene.
Am Samstag gab es Zwei AG - Blöcke mit jeweils ca. 6 Arbeitsgruppen unter Anderem zu Themen wie: "Verrückt sind die Verhältnisse" ' Psychiatriekritik, "Legal, Illegal , Schrankregal" - Illegalisierte in Deutschland, "Lernen, Lernen, Popernen" ' Schulkritik, "Define my sexlaws" - sexuelle Normierung und vielen anderen mehr.
Damit unser Spektakel nicht nur uns, sondern auch möglichst viele andere Leute beglücken möge, hatten wir für den Samstag Nachmittag eine Aktion in der Stadt, am Oderturm vorbereitet. Dort konnte man sich selbst an 7 Stationen zum Schröder machen. Grundlage war der "Deutsche Weg" den man erfolgreich zu beschreiten hatte. Neben Geschichtsentsorgung, Grenzabschottung, Heldentod und der gekonnten Vervollständigung von Sätzen wie: "Ich bin ja kein Antisemit, aber..." konnte man sich am Ende den Titel: Gerhard des Tages abholen.
Der Sonntag endete dann mit einem opulenten Frühstücksbuffet und einer Lesung von Karsten Krampitz. Da der aktive Jungdemokrat zumindest die neueren Machwerke von Karsten kennt, gab es diesmal Geschichten aus dem Frühwerk - "Der Affentöter". Gegen Mittag erfolgte dann der tränenreiche Abschied. Weinende Frauen und Männer winkten abfahrenden Autor hinterher, Taschentücher wurden geschwenkt und naja, manche Leute blieben auch noch bis zum Abend, da VW - Autoschlüssel manchmal zu mehreren Autos passen und wenn sie vertauscht werden nur ein Fahrzeug zu starten in der Lage sind. Was passiert, wenn ein Fahrzeug dann den Hof verlässt, ist eine lange und ganz andere Geschichte.
Was so war, dieses Jahr Teil III... ein LaVo-Bericht
Kurz zusammengefasst kann man sagen: dieses Jahr war das Jahr der Emanzipation für Brandenburg. Unsere Bestrebungen, strukturell von Berlin unabhängig zu werden, haben (trotz chronischen Personalmangels) Früchte getragen.
Veranstaltungen/Projekte/Demos
JD/JL sind immer noch die einzige funktionierende linke landesweite Jugendstruktur in Brandenburg und deshalb immer ein gern gesehener Bündnispartner. Im Juni gab es eine Demo gegen den rassistischen Normalzustand in Rathenow, die von der Basisgruppe Rathenow zusammen mit der AAB veranstaltet wurde. Wir unterstützten diverse Demos in Potsdam, auch beim Demoaufruf gegen den Naziaufmarsch in Halbe im Dezember waren JD/JL beteiligt.
Wichtig war vor allem unsere Mithilfe beim alternativen Schultag in Bad Freienwalde und bei einem Projekttag an einer Teltower Gesamtschule.
Wir veranstalteten ein Antisemitismus-Seminar in Cottbus und ein Feminismus-Wochenende in Potsdam
Die letzte größere Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion mit Thomas von der Osten-Sacken in Potsdam zusammen mit der APO, die man wirklich als gelungen bezeichnen kann.
Die ausführlichen Berichte zu den Großprojekten Sommertour und Spektakel findet ihr in diesem Zeckeninfo. Das Pfingstcamp, das in diesem Jahr erstmals ohne den Berliner Landesverband stattfand, war ein voller Erfolg.
Materialien
Es gab dieses Jahr zwei blatt-Ausgaben, die letzte wurde wegen Unstimmigkeiten mit Berlin von uns alleine herausgegeben. Mehrere coole Flugblätter wurden erstellt.
LaVo und LGS
Es gibt Zuwachs im LaVo: Nelo und Karsten Krampitz wurden kooptiert und arbeiten nach Kräften mit. Nelo als Spezialistin für Feminismus und Sexualität, Krampitz als Sprecher.
Die Berliner Geschäftsstelle ist umgezogen ' und die Brandenburger natürlich mit. Zu finden sind JD/JL in frisch renovierten Räumen an der Schönhauser Allee. Kurz bevor steht der Wechsel der Geschäftsführung: Stefan verlässt uns zum 15. Januar.
Sich lustvoll zwischen alle Stühle setzen
Zum Irak-Krieg...
Die Debatte um den aller Voraussicht nach demnächst beginnenden Krieg von USA und NATO gegen den Irak erhitzt die linken Gemüter in ähnlicher Weise wie die um Antisemitismus, Antizionismus und Israelsolidarität. Nun gibt es gute und weniger gute Gründe gegen den Krieg zu sein. Für die weniger guten steht die so genannte Friedensbewegung, welche deutschnational die deutsche Regierung als "Vasall" des US-Imperialismus halluziniert, sich in dümmlichem Pazifismus - als wäre Pazifismus per se eine emanzipatorische Haltung - und Antiamerikanismus suhlt und ihrem geliebten "Friedenskanzler" für seine "mutige Haltung" gegenüber der fiesen US-Regierung anerkennend auf die Schulter klopft, anstatt dessen zur Schau gestellten Pazifismus als das zu entlarven, was er ist: eine politische Inszenierung, hinter welcher sich die nahostpolitischen Parameter der deutschen Außenpolitik verbergen. Antiamerikanismus und deutschnationale Töne waren schon immer das Charakteristikum einer deutschen Friedensbewegung, welche mit der antinationalen Parole "Der Hauptfeind ist das eigene Land!" noch nie viel anfangen konnte und für die eine radikale Linke deshalb höchstens ein müdes Lachen übrig haben sollte. Wie könnte eine emanzipatorische Antikriegsposition aussehen? Um diese Frage zu klären, muss man sich zunächst die Situation verdeutlichen. Im Nahen Osten ringen EU und USA um Hegemonie, um den Zugriff auf die strategische Ressource Öl, um Handelsbeziehungen und gute Kontakte zu den Regimes der Region. Zum Irak unterhält insbesondere Deutschland gute Beziehungen, er ist ein wichtiger Handelspartner, das Baath-Regime ein Garant von "Stabilität und Frieden" (Gerhard Schröder) in deutsch-europäischem Sinne. Die politischen Bedenken und die "pazifistische" Haltung gegenüber einem US-Krieg gegen Saddam Hussein sind denn auch nur vorgeschoben, man traut sich (noch) nicht, offen gegen die USA Front zu machen. Inzwischen ist die Bundesregierung jedoch aus Kalkül umgeschwenkt, weil sie realisiert hat, dass ihr Mann in Bagdad wohl nicht mehr zu retten sein, es den Irakkrieg auch ohne ihre Zustimmung und Beteiligung geben wird, biedert sie sich den USA an, um auf diesem Wege wenigstens noch die Nachkriegsordnung im Irak mitgestalten zu können. Die Bush-Regierung ihrerseits gibt vor, den Irak demokratisieren, den Menschen im Irak Demokratie und Menschenrechte bringen zu wollen - nicht mehr als simple Kriegspropaganda, wie sie von Scharping und Fischer 1999 in vergleichbarer Weise zur Legitimation des NATO-Krieges gegen Jugoslawien benutzt wurde. Würde es den USA wirklich um eine Demokratisierung des Iraks gehen, so hätten sie zu einer Unterstützung der irakischen Opposition schon seit Jahren Zeit gehabt. Stattdessen ließen sie die gegen das Baath-Regime rebellierenden Kurden im Nordirak 1991 von der irakischen Soldateska abschlachten, ohne auch nur eine F-16 zur Unterstützung der Aufständischen loszuschicken.
Auch heute wird weder von EU- noch von US-Seite mit der irakischen Opposition gesprochen, sie spielt keine Rolle bei den Planungen für eine Nachkriegsordnung im Irak. Unter dem "Regime Change", von dem Bush in letzter Zeit so beredt schwadroniert, ist nichts anderes zu verstehen, als der Austausch eines EU-freundlichen autoritären Regimes gegen ein US-freundliches. Den blutigen Preis für diesen "Regime Change" wird die irakische Bevölkerung bezahlen müssen. Man möge mich nicht falsch verstehen - sollte der völkische Antiimperialist, Kurdenschlächter und Selbstmordbomberfreund Saddam Hussein von der USA militärisch abgeräumt werden, bin ich der letzte, der dagegen demonstriert. Schon gar nicht mit der deutschen Friedensbewegung, dieser 5. Kolonne der deutschen Bundesregierung. Eine Friedensbewegung, die einseitig und moralisierend gegen die USA hetzt und die Reklamierung des "Selbstbestimmungsrechts der Völker" für das Baath-Regime betreibt, während sie den eigenen Herrschenden selbstverständlich lautere und uneigennützige Gründe für ihre Anti-Kriegshaltung zubilligt.
Jede differenzierte Antikriegsposition wird im allgemeinen antiamerikanischen Getöse der Friedensbewegung untergehen, so dass man eigentlich nur jeder empfehlen kann, ihre Zeit nicht sinnlos zu vertun, zu Hause zu bleiben und gemütlich mit FreundInnen einen Tee zu trinken!
Alexander Fröhlich
Das Knobel-Hobel-Rätsel für ganz Pfiffige
Die Buchstaben, die übrig bleiben ergeben von links oben nach rechts unten gelesen das, was ihr gewinnen könnt!
| c | e | i | g | n | m | a | c | h | e | t | e |
| m | h | s | o | t | n | e | m | m | s | c | h |
| a | t | r | b | o | e | n | o | u | a | e | s |
| n | m | e | i | d | e | a | r | p | c | o | o |
| c | e | i | g | n | m | a | c | h | e | t | e |
| d | a | g | q | s |
r | p | d | t | a | k | n |
| r | r | n | t | u | t | r | o | l | i | v | e |
| i | x | i | f | i | i | i | r | o | n | c | u |
| l | k | r | k | u | b | l | a | t | t | l | n |
| l | u | p | e | a | r | s | a | n | s | k | z |
| j | e | s | l | a | m | z | t | t | s | l | e |
| s | h | a | c | k |
e | b | e | i | l | e | h |
| h | e | i | h | r |
t | s | i | e | g | e | n |
1. wird schon mal mit Frau Merkel verwechselt (Hintername)
2. Hausnummer des Kindergartens unter der LGS
3. wenn der Feigen isst, kriegt er lange Ohren
4. hart ausgesprochene titte
5. Vorname vieler Omas, reimt sich auf ein Messerteil
6. Halbbruder Osama bin Ladens (Vorname)
7. umgs. Musik
8. großer Hirsch, kann ausgezeichnet schwimmen
9. typ. Mordinstrument in Horrorfilmen
10. gasförmige Emission
11. trinkt man mit Salz und Zitrone
12. der Postbote ist oft darin
13. Teil einer Blüte
14. der (39:3x2+53-2:7-7). Monat (v. l. n. r. rechnen)
15. echte Gewinner-Stadt
16. das Hobby einer alten Dame
17. Schachfigur, gibt auch größte deutsche Tageszeitung heraus
18. dafür wirbt ein Hamster
19. richtig altmodische Gewichtseinheitv
20. bringt 4-blättrig Glück
21. Ölfrucht
22. bekanntestes Mitglied der KPC
23. noch ein typ. Mordinstrument in Horrorfilmen
24. Autor: 'Kritik des Hegelschen Staatsrechts'
25. Mehrzahl des Milka-Tiers
26. asiatische Wüste
27. Massenzeitung der JD/JL Berlin & Brandenburg
28. albanische 'Befreiungs'armee
29. kriegen Soldaten & reimt sich auf ihre Tätigkeit in Englisch
30. Affenart mit farbiger Schnauzev
31. kann durch Lichtbeeinflussung Waldbrände verursachen
32. 'The Freshmaker'
33. Herkunftsland Saurons
Terminator
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31.01.-02.02. 02.02. 14.-16.02. 21.-23.03. |
Landesverbandstreffen Landeskonferenz Bundeshauptausschuss Bundesdelegiertenkonferenz |
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Veranstaltungen von JD/JL Blankenfelde/Mahlow (RedSideZ) im Rahmen der Antifaschistischen Aktionswochen:
Antisemitismus und die Medien:
palästinensische Medien - deutsche Medien (Vorträge,
Präsentation und Diskussion zum Teil in Englischer Sprache)
13. Januar 19:00 Uhr im Haus der Demokratie. Greifwalderstr. 4
Mit dem Direktor von 'Palestinan Media watch': Itamar Marcus
über Antisemitismus in palästinensischen Medien und einE
VertreterIn von AJC ist angefragt, um über die DISS Studie
und Antisemitismus in deutschen Printmedien zu referieren.
Im Anschluss an die Vorträge Diskussionsveranstaltung und
kleine Ausstellung.
Antisemitische Tendenzen und 'aggressive Töne gegen Israel'
treten zunehmend in der Berichterstattung deutscher Zeitungen
über den Nahost-Konflikt auf.
So lautete das Ergebnis der Studie des 'Duisburger Institutes
für Sprach- und Sozialforschung' (DISS) die das 'American
Jewish Committee' in Auftrag gab.
Es seien verbreitete antisemitische Vorurteile in der
Berichterstattung zu erkennen, besagt sie Studie, die
auf 2505 analysierten Artikeln aus sieben Tageszeitungen
beruht.
'Palestinan Media watch' ist ein israelisches Projekt.
Die Mitarbeiter betreiben seit Jahren intensive Recherche
um Antisemitismus und Verherrlichung von Terroranschlägen
und Märtyrertum in den palästinensischen Medien aufzuzeigen.
Umfangreiches Bild- und Tonmaterial sowie beträchtliche
Mengen an Artikel sind durch das Projekt zusammengetragen
worden. Ein Teil dieser Rechercheergebnisse wird am
Veranstaltungsort ausgestellt werden.
VeranstalterInnen(bis jetzt): RedSideZ und Einzelpersonen
(Es werden noch UnterstützerInnen gesucht)
Gewerkschaften und Nationalismus
Dienstag, 28.01.03 in der Joachimsthaler Str. 31/32 (U-Bhf. Ku-damm)
Raum JS 17 in der TU Berlin 18:00 Uhr
Referentin: Katja Grote
VeranstalterInnen: RedSideZ
Die deutschen Gewerkschaften laufen zunehmend Gefahr, bei der Mobilisierung gegen die Globalisierung in nationalistische Ressentiments zu verfallen. So gut wie alle organisierten Arbeiterbewegungen verfolgen sie immer noch - oder vielleicht wieder - nationale Strategien. Als solche nehmen sie häufig geradezu Rassismus Züge an. In ihrer Arbeit nehmen sie vor allem Bezug auf privilegierte Arbeitnehmer und grenzen dadurch MigrantInnen und weniger privilegierte Erwerbstätige aus. Die Ideologie 'Arbeit zuerst für Deutsche' gehört mit zur Grundlage ihrer Tarfiverhandlungen.
Veranstaltung zum Thema Geschichtsrevisionismus
Am Dienstag den 04.02.03 in der Joachimsthaler Str. 31/32 (U-Bhf. Ku-damm)
Raum JS17 in der TU Berlin 18:00.
Referent: Hark Machnik
VeranstalterInnen: RedSideZ
Ob Günter Grass auf die deutschen Opfer im Zweiten Weltkrieg aggressiv aufmerksam macht, Martin Walser sich öffentlich gegen die 'Dauerpräsentation unserer Schande wehrt, oder ob eine rot-grüne Bundesregierung nicht 'trotz Auschwitz', sondern 'wegen Auschwitz' im Namen der Menschenrechte wieder Kriege
führt: Es geht voran auf dem von Gerhard Schröder ausgerufenem 'deutschen Weg'. Und das bevorstehende Stalingrad-Jubiläum im Februar bietet die gute Gelegenheit, das deutsche Täterkollektiv von einst auf einer neuen Etappe seines Wegs zu den Opfern der Weltgeschichte zu beobachten.